Gegen das Vergessen – Gegen die Schuld


Gegen die Angst – Für die Demokratie – Gegen Das Vergessen –

Auch auf die Gefahr hin, dass der Leser mir eine rechts angehauchte Meinung unterstellen wird und/oder sogar antisemitisches Gedankengut vorwerfen wird, habe ich mich nach langen Überlegungen dazu entschlossen, doch etwas zu diesem Thema (Blogparade) beizusteuern. Es fällt mir wirklich sehr schwer, die Gedanken zu diesem Thema zu sammeln und in vernünftige Bahnen zu lenken.

Es ist ein ehrlicher, kritischer und provokanter Artikel “Gegen das Vergessen” und gleichzeitig habe ich, für mich einen Gegenpol “Für das Vergessen” geschaffen. Aggressiv und bestehende Werte angreifend, lege ich hier meine Meinung ziemlich offen dar. Auch mit dem Wissen, dass dieser Text mit Sicherheit nicht auf Gegenliebe (bei jedem) stoßen wird. Grundsätzlich möchte ich nachstehende Feststellung (vielleicht sogar als eine Art „These“ zu verstehen) treffen und für mich / vor mir geltend machen:

Ich als Mensch, als einzelnes Individuum, habe ein Recht auf “Das Nicht Vergessen” – aber gleichzeitig, faktisch parallel dazu, habe ich das Recht auf “Das Vergessen”.

Ich will vergessen

Wenn jemand mich ganz direkt fragen würde, ob ich gegen (oder auch für) das Vergessen bin, müsste ich spontan antworten:

Natürlich bin ich dafür, mein gutes und garantiertes Recht in Anspruch zu nehmen,
dass ich vergessen kann, will und auch muss.

Nicht vergessen bedeutet für mich auch, eine Schuld auf sich zu laden und Schuld, nein …, die verspüre ich nicht. Ich bin zwar ein „Nachkriegskind“, habe aber kaum bis keine Erinnerungen an diese Zeiten nach dem Krieg.
Ich weiß auch nicht, woran es liegt. Es kann sein, dass es wie in vielen Familien üblich war, ein Tabu war über diese schrecklichen Ereignisse zu reden.

Es wurde geschwiegen und niemand, auch die, die den Krieg mitgemacht/überlebt hatten, schwiegen. Niemand arbeitete diese Zeit auf. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich persönlich einen tiefen Verdrängungsmechanismus angeschaltet habe, der die Erinnerung nicht zulässt.Jahrzehnte lang wurde uns (mir) erzählt und auch in der Schule beigebracht, dass das deutsche Volk eine Schuld auf sich geladen hat, die immer währt. Auch die Politik war daran nicht unbeteiligt und hat die Judenfrage immer wieder thematisiert.
Vielleicht zu Recht oder auch nicht, dass kann ich für mich so pauschal nicht beantworten. Ich weiß, es waren schreckliche und sehr, sehr grausame Zeiten und unsägliches Leid wurde über viele Menschen, der verschiedensten Kulturen und Glaubensrichtungen gebracht.

Die in Deutschland lebenden Juden, allen voran der Zentralrat der Juden, haben all die Jahre und auch heute noch, die Menschen in unserem Land zum Tätervolk gemacht. Nach über 70 Jahren glaube ich, dass dies eine Schuld ist, die es eigentlich nicht mehr gibt. Wir müssen nicht ständig an diese unsägliche Zeit erinnert werden und zu Schuldigen erklärt werden.

Ich habe ein Recht auf das Vergessen!

Niemals – Niemals wieder!

Aber …

… ich habe auch Verantwortung für die kommenden Generationen. Diese Verantwortung lässt es nicht zu, dass ich den rechten Bewegungen einen Spielraum zubillige. In keiner Weise, mit keinem Wort. Ich darf und kann es für mich nicht zulassen, dass das nationalsozialistische Gedankengut und auch der Antisemitismus im Besonderen, sich weiter stärkt und zur politischen Macht mutiert. Der braune Sumpf, der nach mir greift und versucht, mich in einen Abgrund zu reißen, bereitet mir Angst und meine Angst muss ich bekämpfen – auch das ist mein Recht. Keine Angst zu haben, auch das wird mir durch das Grundgesetz zugestanden.

Angst lähmt, lähmt auch die eigenen Gedanken und Handlungen. Angst ist der größte Feind der Demokratie. Angst raubt mir Kraft und macht mich müde und erschöpft. Manchmal bin ich soweit, dass ich einfach nicht mehr darüber nachdenken mag, geschweige denn, Worte niederschreiben möchte.

Aber das darf nicht geschehen. Niemals – Niemals wieder!

Ich will nicht in Angst und auch nicht mit der Angst leben.
Wir, also du und ich, müssen für die Demokratie einstehen und auch aufstehen, sich dagegen stemmen. Die Angst darf unsere Demokratie nicht lähmen, darf uns nicht lähmen.

Für die Demokratie!

Es muss eine gewaltfreie Gegenbewegung entstehen, die auch diejenigen aufstehen lässt, die noch schweigen, die sich nicht trauen auch mal

gegen Rechts zu sein,
gegen Hass zu sein,
gegen Rassismus zu sein,
gegen Antisemitismus zu sein,
gegen die Holocaustlüge zu sein,
gegen Gewalt und Krieg zu sein,
gegen Verfolgung zu sein,
gegen Terror zu sein,
gegen die Angst zu sein

und Für die

Demokratie zu sein –
frei vom rechten Gedankensumpf.

Denn, das ist es, was nie wieder passieren darf, das hat mich die Geschichte gelehrt, ohne ein Schuldgefühl auf mich zu laden. Schuld trage ich weder in mir, noch auf meinen Schultern. Damit, also das Einreden von Schuldgefühlen, muss endgültig mal Schluss sein.
Aber wir dürfen unsere Geschichte niemals vergessen, damit niemals wieder eine Zeit kommt, für welche wir eine Schuld tragen und auch abtragen müssen.
Nie wieder Nazis! – Nie wieder Krieg! – Nie wieder Schuld!

Einen freundschaftlichen Gruß und für die Demokratie

Epilog:

Die Ambivalenz die im Text steckt, eindeutig zu lesen ist und auch gefühlt offensichtlich ist, erschreckt mich selbst auch.

Um klar zu stellen, wo ich politisch steht, würde ich als Schreiberling gerne noch 3 oder auch 4 Sätze schreiben:

Auf Grund des vorstehenden Textes könnte man als geneigter Leser sehr schnell annehmen, ich gehöre in die braune, rechte Ecke. Dem ist nicht so. Auch Rechts neben der Mitte wäre fast schon zu weit rechts.

Ich habe seit Anbeginn immer die Volkspartei SPD gewählt. Also ein oller Sozi der mehr links von der Mitte zu finden war. Leider hat die SPD eine Entwicklung durchgemacht, für die ich nicht mehr die nötigen Sympathien empfand. Es waren und sind keine Persönlichkeiten oder Sympathieträger in der Führungsebene mehr vorhanden und die Politik ist schon lange nicht mehr die Politik des kleinen Mannes. Ein absolutes „No Go“.

Ich wurde zum Christdemokraten, nicht weil ich unbedingt die Politik dieser Partei(en) besonders toll fand, sondern wegen der Frau Merkel. Ich habe sie unterstützen wollen, damit sie IHRE Politik machen konnte. In ihr habe ich die einzige Persönlichkeit gesehen, die durch ihre Entschlossenheit, den Durchhalte-Willen, klaren Worten und auch Taten (auch im Sinne von Europa), in der Lage war, Deutschland und auch Europa auf einen besseren Weg zu bringen.

Doch was macht die Merkel urplötzlich – sie verrät das Grundgesetz, die Demokratie und das Volk. Offensichtliche Lügen reihen sich aneinander, gefolgt von politischen Floskeln, die jeder x­beliebige Politiker von Anfang an in die Wiege gelegt bekommt. Als Höhepunkt ihrer Talfahrt, macht sie dann noch einen Deal mit einem verrückten Despoten.
CDU bzw. Frau Merkel fallen als Wahl-Option 2017 also auch aus.

Nun stehe ich da und weiß nicht, wo ich wirklich politisch stehe (grundsätzlich weiß ich es schon, aber es für eine Wahl reicht es so nicht).
Da heißt es suchen und finden und das schnell. Eine Alternative muss her und die heißt auf keinen Fall AfD, SPD, CDU oder CSU (könnte noch passieren, dass sie Bundesweit aufstellt).
Nicht wählen kommt nicht in Frage, denn nicht wählen bedeutet, man wählt die AfD (und das ist ja nun wirklich keine Partei, die man wählen sollte – es sei denn, man möchte vergangene Zeiten zurück. Aber dafür möchte ich meine Stimme nicht hergeben.)

Ja, soweit habe ich nun ziemlich genau Stellung bezogen und … ja … und nun?

Auf jeden Fall war das mein politisches Bekenntnis – macht man nicht, aber ich habe schon so viel über Politik geschrieben, dass dies nun auch nichts mehr verändert oder ändert. Ich stehe dazu und ich habe mir nichts vorzuwerfen.

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An dieser Stelle möchte ich gerne,
die bisherigen Teilnehmer an diesem Projekt nennen.

Nachstehend, einleitende Worte von Sylvia Kling und die Linkverweise auf die Teilnehmer.

WIRD VON VIELEN KÜNSTLERN UND INITIATIVEN AUFGEGRIFFEN,WENN UM DIE GESCHEHNISSE WÄHREND DES NATIONALSOZIALISMUS GEHT ODER UM AKTIONEN / KREATIVE PROZESSE / KUNSTWERKE, DIE GEGEN DIESEN GEIST ATMEN”

(ZITAT: JÜRGEN M. BRANDTNER).

ICH MÖCHTE NUN ALLE NICHT VERGESSENDEN KÜNSTLER, KREATIVE UND BLOGGER BITTEN, SICH MIT DIESER ÜBERSCHRIFT AN DEM PROJEKT ZU BETEILIGEN!  EINE VERLINKUNG IN DEN ENTSPRECHENDEN BEITRÄGEN ZU DENEN ANDERER KÜNSTLER/TEILNEHMER WÜRDE ICH FÜR SINNVOLL ERACHTEN.

VIELEN HERZLICHEN DANK!

SYLVIA KLING

Sylvia Kling – „Egal“  Sylvia Kling – „Als Die Alte Erzählte“

Sylvia Kling – „UnTröstlich“  Sylvia Kling – „Verzweiflung“

Querdenkende – „Teilnahme am Projekt“  Querdenkende – „Nie wieder Krieg, Papa!“

Pilgerin Belana Hermine – „Rosa“  Ule Rolff – „Siebzig“

Lyrifant – „Gegen Das Vergessen“  Senioren Leichtathletik – „59. Dieses Mal kein Sportbericht …“

Lotar Martin Kamm – „Revolutionäre Wesen täuschen uns“  Petra Pawlofsky – „Gegen das Vergessen“

Pilgerin Belana Hermine – „Aufwachen!“  Gedanken-Reich – „Gegen das Vergessen“

Sugar – „ES GIBT NUR EIN GEMEINSAM“  Glück ist überall – „Gegen Das Vergessen“

TAGTRÄUMEREIEN – „Gegen das Vergessen“  CHRINOLO – „Es gibt nur zwei Menschenrassen …“

Martin Schauerte – „70 Jahre Frieden- Zu lang für die Deutschen?“

4alle/4all – „GEGEN DAS VERGESSEN – EIN PROJEKT“

JuckPlotz – „Gegen das Vergessen“  Katrin – musikhai – „An die aufwiegelnde Meute“

Lyrifant – „Bitte einer Dünnhäutigen“  Maddemaddigger – „Schlussstrich“

Lotar Martin Kamm – „Hinter den Worten“  Pilgerin Belana Hermine – „Puzzle-Teile – Erinnerungsfetzen“

Wortklauberei – „Gegen das Vergessen“  Pilgerin Belana Hermine – „Wir Wunderkinder“

Das wär doch was – „Die Geschichten der Alten Teil 3“  blaupause – „… und meine Er-inner-ungen…“

Pilgerin Belana Hermine – „Meine Großmutter erzählt“  PollysGeliebte(s)Leben – „Gegen das Vergessen“

tangofiligran – „Gegen das Vergessen“  Zungenkoeder – „Gesang vom Lager“

Pilgerin Belana Hermine – „Die Kraniche ziehen“  tangofiligran – „Jüdisches Leben in Berlin bis 1945“

Lotar Martin Kamm – „Aufrechte Streiter hoch zu Ross in gnadenloser Mission“  nur mal ich – „Unvergessene“

Pilgerin Belana Hermine – „Meine andere Großmutter erzählt“  Pilgerin Belana Hermine – „Kriegserbe“

Lotar Martin Kamm – „Systemwechsel in altbekannte Bahnen“  MAIL PRO FOTOBLOG – „Gegen Das Vergessen“

eulenschwinge – „ein koffer gegen das vergessen“  tom. (tomdot) – „Gegen das Vergessen“

Pilgerin Belana Hermine – „Tag der Befreiung…“  Starlit Sky Thought – „Gegen das Vergessen“

EMOTIONS – „Was haben wir falsch gemacht“  isso und nicht anders – „Endlich Frieden?“

tangofiligran – „Gebilligt und hingenommen“

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Sylvia Kling
Gast
Ich stelle Dich keineswegs in die rechte Ecke und ich begründe es auch: Keine Schuld auf sich laden zu wollen (die Ablehnung des Erbes) und diese für sich selbst, sein eigenes Leben, vergessen zu wollen ist etwas anderes, als der rechten Entwicklung in unserem Land und in Europa mit Gleichgültigkeit oder gar Zustimmung gegenüberzustehen – für mich demnach zwei verschiedene paar Schuhe. Diesen Dialog hatte ich erst mit Gertrud Trenkelbach, die – angeregt durch den letzten Beitrag „GEGEN DAS VERGESSEN“ auf meiner Seite (von Anne-Marit) – eine ganz persönliche Aufarbeitung begann. Ein schwerer Rucksack lastete auf ihren Schultern, den es… Read more »
Herr R.
Gast
Herr R.
Hallo und nochmal Guten Abend, zu später Stunde noch eine kurze Antwort von mir. Vielen Dank erst einmal für deine lieben und erklärenden Worten – sprich deine Sichtweise zum Text. Mache dir keinen Druck wegen dem verlinken, ich glaube, ich habe dich auch ein wenig überfallen mit meinen Beitrag 🙂 Ich glaube schon, dass eine Aufarbeitung enorm wichtig ist, für Betroffene und Menschen die mit (schrecklichen) Erinnerungen zu kämpfen haben. Meine ganz persönliche Aufarbeitung kann nicht stattfinden – entweder gibt es keine (tatsächlichen) Erinnerungen aus der Nachkriegszeit oder es wurde nicht darüber gesprochen in dem beisein der Kinder / Enkelkinder.… Read more »
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[…] meine Gedanken waren noch bei der Geschichte um „Elsa“. Ein Gedankensprung zu meinem  Artikel für das Projekt „Gegen das Vergessen“, stellte dann eine Verbindung her, die mich dann […]

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[…] Vergangenheit, mit gemischten Gefühlen und ohne Schuld, was ich auch ziemlich deutlich in meinem ersten Beitrag für dieses Projekt, geschildert […]

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[…] hatte ich so meine persönlichen Bedenken gegen dieses Projekt und darüber hatte ich auch einen Beitrag geschrieben. Inzwischen bin ich aber so was von begeistert und auch überzeugt von diesem Projekt, dass ich es […]

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[…] stehe oder wie meine politische Einstellung als solches sich darstellt, habe ich eingehend hier beschrieben und möchte mich da auch nicht wiederholen. Auch wenn der Leser evtl. mit diesem […]

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[…] zum Ergebnis gekommen, mich doch an diesem Projekt mit meinen Texten zu beteiligen (siehe auch hier). Ich habe für mich persönlich „nur“ einen kleinen Zusatz gefunden, mit dem ich […]