Es war einmal: Tod

Diese Zeilen sind entstanden für das Projekt „Gegen Das Vergessen“ von Sylvia Kling


Es war einmal: Tod – Gegen Das Vergessen –

Was hat mich geweckt
ist es die Angst
die in mir ist
die mich innerlich zerfrisst
jede Nacht kehren sie wieder
die Opfer meiner
Mordgelüste
im Traum bin ich
das Opfer
der Tod mich zerfetzt

Die Kameraden schlafen tief
in ihren Decken
das Gewehr umklammert
wie eine Braut
nur der Heinrich
der schaut zum Mond
ist auf seinem Posten
der Schweiß stinkt aus mir
Heinrich mit mir
eine Zigarette raucht

„Morgen machen wir sie nieder“
Heinrich es leise
in Richtung des Dorfes sagt
„Ohne Gegenwehr –
einfach abgeschlachtet
werden sie“
meine ich
zaghaft meine Gegenwehr
„Hab dich nicht so
endlich mal wieder eine Frau“

Mein Blick geht zum Dorf hinüber
das ruhig und schlafend
im Mondlicht steht
ich ahnte böses
mir es jetzt schon graut
niemand wird überleben
den Tod werden wir bringen
erbarmungslos
brennen wir alles nieder
ich der Meuchelmörder

„Kameraden
heute dürfen wir für das
Vaterland
das russische Judenpack verbrennen“
der Leutnant es eindringlich brüllt
ich stürme schreiend in das Dorf
schieße um mich
ein Kind mir in die Augen sah
als ich es niederschoß
dem Wahnsinn so nah

Am Abend
alle um das Lagerfeuer sitzend
ein extra Ration
vom (russischen) Selbstgebrannten
es gab
ein einzelner Schuss
die Siegerlaune verdarb
ich wollte es nie
und doch hab ich es getan
mein letzter Gedanke war:

„Es tut mir alles, so schrecklich leid“

Copyright © 2016 & Urheber gem. § 7 UrhG, Ede-Peter (Ede) – Alle Rechte vorbehalten

Folge mir auf   Folge mir auf

Werbung
image_pdfimage_print

4
Hinterlasse einen Kommentar

✎✎✎

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .

  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Anne-Marit
Gast

Guten Abend, lieber Ede,

es fällt mir ja schon schwer, Bücher zu dem Thema zu lesen und darüber zu schreiben. Aber selbst so ein Gedicht zu schreiben, stelle ich mir unheimlich schwer vor. Es ist Dir sehr gut gelungen und geht mir richtig unter die Haut.

Hab noch einen schönen Abend,
Anne

Herr R.
Gast

Hallo Anne,
vielen Dank für deine offenen Zeilen. Es ist immer schwierig über den Tod zu schreiben und auch darüber nachzudenken ohne dabei in sone Art Loch abzurauschen. Tod, in welcher Art oder Form auch immer, ist grausam, gemein, unberechenbar und nie eine Angelegenheit, die ich so einfach aus den Ärmel schüttel. Bin ich aber erst einmal im Thema drin, lässt es mich aber auch nicht mehr los, mag vielleicht auch daran liegen, weil ich mich sehr damit beschäftigt habe (auf Grund meiner eigenen Erlebnisse).
Ich wünsche dir einen wundervollen Wochenstart
wir lesen uns
Ede

Sylvia Kling
Gast

Sehr berührend und auch ins Detail gehend (ja, auch das braucht das Projekt), lieber Ede.
Ich habe den Beitrag im Portfolio ergänzt.

Vielen herzlichen Dank für dieses tiefgehende Gedicht!

Herzliche Grüße

Sylvia

Herr R.
Gast

HaliHallo liebe Sylvia,
es freut mich sehr, dass du einige Worte auf meinen Blog lässt.
Vielen herzlichen Dank für deine positiven Zeilen über diese Grausamkeit, die ich da niedergeschrieben habe.
Erst wollte ich es garnicht veröffentlichen, weil ich dachte, es wäre zu brutal, zu offen, weil der Tod hier gleich in mehreren oder verschiedenen Formen, dargestellt wird.
Deine Zeilen zeigen mir aber, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, es doch zu tun.
Vielen herzlichen Dank.
Liebe Grüße Ede