Es war einmal: Menschlichkeit

Diese Zeilen sind entstanden für das Projekt „Gegen Das Vergessen“ von Sylvia Kling


Es war einmal: Menschlichkeit – Gegen Das Vergessen –

Überlebt
hab ich den Wahnsinn
des Todes
eine Nummer
tätowiert
mein Zeuge ist

Abertausende sah ich sterben
nicht nur die Duschen ohne Wiederkehr
Durst Hunger Kälte
auch die abgefeuerte Waffe
oft das Verderben bringt

Körper im Schmerz sich winden
unsägliche Seelenpein

Haut an Knochen klebte
im Matsch des Lagers
Skelette durch Fäkalien waten
bleich die Knochen
sich stapeln
im Eingang zur Hölle
sie warten

Der Tod mit seiner schillernden Fratze
mich oft hat angesehen

Aus vielen Ländern kamen wir
der Gevatter uns die
vereinte Sprache
der Toten gelehrt

Meine Frau
meine Kinder
ich sie nie wieder sah
Mut machte ich ihnen noch
ihre Tränen glaubten mir nicht

Zu unserem Herrn hab ich gebetet
immer wieder
mein Bittgesang erklang
beschütze Frau und Kinder
er hat mich wahrscheinlich
nie gehört

Ich weiß bis heute nicht
wie sie starben
der Tod so vielfältig
in Auschwitz
gewesen ist

Heute sitze ich
mit meiner Pfeife
in der guten Stube
denke oft mit Wehmut und auch Trauer
an Frau und Kinder

Bald rauche ich meine letzte Pfeife
verziehen habe ich
nach all den Jahren
doch vergessen kann ich es nicht

Meinen Hass habe ich
beizeiten begraben
der Glaube an die Menschlichkeit
geben mir die Hoffnung und die Liebe
für den Menschen als solches –

der nicht wirklich
nur böse ist.

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Anne-Marit
Gast

Was soll ich da schreiben, lieber Ede. Ganz kurz: Ich verneige mich. Mehr ist nicht nötig.

Herr R.
Gast

oooh … jetzt machst du mich aber wirklich sprachlos – ich glaub ich bin auch ein Stückel gewachsen 🙂
Danke schön liebe Anne
Schönen Abend noch
Herzliche Grüße aus Olbersdorf