Es war einmal: Helden

Diese Zeilen sind entstanden für das Projekt „Gegen Das Vergessen“ von Sylvia Kling


Es war einmal: Helden – Gegen Das Vergessen –

Wir wollten Helden seinmeine Mutter weinte
ich sei noch so jung
war ihr Abschiedsgruß
Vater gab mir einen
kräftigen Händedruck
drückte mich dann an seine Brust
mach uns keine Schande
mein Sohn
komme wieder heim
bleib nicht im Schützengraben
wir brauchen dich
hier auf unseren Hof

Wir wollten Helden seinder Jubel auf der Straße
der war so groß
fast wie beim Führer Besuch
ach was waren wir stolz anzusehn
stramm marschierten wir
durch das Dorf

die Hilde gab dem Fritz
und mir
zum Abschied noch
einen Kuss
wir sind bald wieder daheim
riefen wir noch
was sollten wir uns täuschen
unter Hildes Tränenfluss

Wir wollten Helden seinin die Hose hab ich mir gemacht
nach meinen ersten Todesschuss
mitten in die Russenbrust
Fritz der immer an meiner Seite war
sehr unerschrocken und tapfer er war
starb mit zerfetzten Bauch
in meinem Arm
viele starben neben mir
ich schrieb schon lange
keine Briefe mehr

Wir wollten Helden seinirgendwann
es musste ja so kommen
der Winter in der russischen Weite
er so erbarmungslos war
mit dem „Eisernen Kreuz“
hat man im Tausch

mir ein Bein genommen
ich sei ein Held
hat der Oberleutnant gesagt
auf Krücken
durfte ich Heim

Wir wollten Helden seinkein Jubel und Posaunen Chor
niemand auf der Dorfstraße war
dunkel
wie Augen gleich
schauten die Fenster
auf den Helden
der aus Russland wiederkam
alleine und ohne Fritz
ich der Heimkehrer
mit einem Bein noch war
die Hilde im Tränenfluss
einst waren wir drei
bis zwei dem Irrsinn
ins Auge sahn

Wir wollten Helden seinMutter weinte
vor lauter Glück
Freude übermannte sie immer wieder
war ich
der einzige Sohn
doch wieder daheim
und am Leben
auch wenn ein Bein mir fehlte
war sie doch wirklich froh
dass ich nicht für Führer und Vaterland
im Schützengraben verfaulte

Wir wollten Helden seinnur einer kam zurück
ein Held zwar
der Oberleutnant es mir sagte
als er mir das Kreuz der Helden
mit traurigen Augen gab

Vater war enttäuscht von mir
auch wenn ich mit Stolz
ihm meine Auszeichnung zeigte
sagte er doch immer wieder
vor sich hin

„was nützt mir der Sohn als Held
kann er mir nicht helfen
auf dem Feld“

Wir wollten doch stolze Helden seineiner verrottet nun in Russlands Erde
der andere kehrte zurück
ein Held zwar
aber es fehlt das eine Bein
der Vater
verflucht den Tag
als sein einziger Sohn
ein Held wollte sein

Nun bin ich ein Held gewordendie Hilde ist beizeiten
durch Fliegerbomben
gestorben
ich trinke Wodka

aus Angst vor den Träumen
jede Nacht wollen sie mich holen
auch der Fritz
der so schändlich ist gestorben
ich vermisse ihn so sehr
ach wäre ich doch
mit ihm zusammen
in Russlands Erde
gemeuchelt worden

… dabei wollten wir zwei
nur Helden fürs Vaterland sein!

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Anne-Marit
Gast

Ein wunderbarer Beitrag „Gegen das Vergessen“, lieber Ede.

Herr R.
Gast
Herr R.

Vielen herzlichen Dank liebe Anne, für deinen netten und positiven Kommentar
Herzliche Grüße