Es darf nie wieder, nie wieder geschehen!

Diese Zeilen sind entstanden für das Projekt „Gegen Das Vergessen“ von Sylvia Kling


Die Gute Stube,die nur für besondere Gelegenheiten war – Gegen Das Vergessen –

Bei der Oma war ich zu Besuch, ein langer Weg, den ich ging zu Fuß. Wollte nach ihr schauen, die Eltern wollten es so.
Ein Auto gab es schon und lenken konnte ich es auch. Hatte mit Vater einige Runden auf dem Hof gedreht, er lobte mich, für mein Talent.Jetzt stand es, das Auto, vor dem Haus, einen platten Reifen und das Benzin war aus. Es gab keines mehr in diesen Zeiten, fürs Militär wirds gebraucht, einen Bezugsschein, den bekam Vater schon lange nicht mehr. Ein altes Fahrrad hatten wir auch, gehörte Mutter, doch auch das wurde gebraucht, vom Militär und nahmen es uns auch.So ging ich dann zu Fuß zur Oma, in meinen alten Schuhen, der Rechte hatte ein Loch und jeder Stein der am Wege lag, berührte meinen großen Zeh, der Schmerz bald unerträglich war.Angekommen bei der Oma, einen Tee sie mir gekocht, bester Gesundheit sie war, versicherte Oma, derweil sie am werkeln war. Ein warmes Fußbad, für meine wunden Füße sie bereitgestellt, ach was war ich glücklich, bei der Oma ich doch war.Kaum saßen wir am alten Tisch, in der Küche, so wie immer, die gute Stube nur für besondere Gelegenheiten war, heulten die Sirenen. Erst in der Ferne, dann schrien sie auch im Dorf. Die Flieger kommen, mit Bomben für den nahen Ort.Wir, also die Oma und ich, gingen in den Keller, wo wir bisher immer sicher warn. Angst hatte ich keine, die Oma immer mein Beschützer war. Nach einer ganzen Weile, die mir vorkam wie die Unendlichkeit, die kein Ende nahm, wollte die Oma nach dem Rechten schaun, damit ich nach den Eltern, nach Hause kam.Ich eile gen Elternhaus und dachte, ich hätte mich verlaufen, wo war der Ort, wo unser Haus? Alles in Trümmern lag, kein Stein mehr auf dem anderen lag.Auch das Haus unseres Herrn, haben die Bomben gefressen, sogar den Kirchturm, niemals mehr die Glocke mich zum Gebet rufen wird, ist vollkommen zerstört. Rauch und Wehklagen lagen auf dem Ort, Berge von Schutt mir den geraden Weg, zum Elternhaus verwährt.Mühsam kletterte ich auf diese Berge, alte Ruinen umrunden, husten musste ich, ganz schrecklich, ich weiß es noch, überall der Rauch und Feuer gab es auch.Wo ist mein Haus, mein geliebtes Elternhaus. Vater, Mutter, wo seit ihr hin?
Dort, eine Hand streckte sich mir entgegen, ergriff sie, keine Regung konnte ich spüren. Der Tod die Hand mir gab, nie werde ich vergessen, wie leblos diese Hand doch war.Ich schrie aus vollem Halse, der Schreck ließ mich nicht mehr los. Ich hatte ihn gesehen, sogar berührt, seine Kälte gespürt. Fortan der Tod mich verfolgt, ich hatte ihn doch berührt.Oh nein, Vater, Mutter, was ist euch passiert? Ich eilte, ich suchte, fand damals das Elternhaus nicht mehr. Alles sah so gleich aus, war doch kaum ein Haus, nicht zerstört.Eine Stimme schrie, eine Frau, ich erkannte sie nicht, sie war blutverschmiert. Sie hob die Hand, winkte mir, so als rief sie, komme doch zu mir. Jetzt, beim näher kommen, ich sie erkannte, die Hilde vom Nachbarn, heute lebt sie nicht mehr.Deine Eltern, dort liegen sie, unter all den Steinen. Sie haben geklopft, nun hat sie schon eine ganze Weile, nichts mehr gehört. Genau ich heute noch, ihre Worte höre, wie verrückt ich Stein um Stein, beiseite räum. Endlich, ich das bunte Kleid von Mutter schimmern sah, Vaters Hand in ihrer war.Ich schrie, ich weinte, tobte und flehte mit einem Gebet zum Herrn. Mutter, ich drückte sie innig an meine Brust, noch warm war sie, so als schliefe sie nur. Vater gab ich die Hand und sagte dann lebewohl, seine Strenge mit den deutschen Tugenden, fehlen mir dann die Jahre doch sehr.Mutter, Mutter ich brauche dich doch so sehr. Oh Herr, wo ist die Gerechtigkeit geblieben, ich hab es doch niemals gewollt. Warum bist du so grausam, heute weiß ich, auch im Schmerz liegt der Glaube, denn nur durch ihn, kannst du lernen, wie Frieden und Glück  zusammen gehören.Jahre sind vergangen, auch die Oma ist nun tot. Die Jahre bei ihr, sie immer mir den Trost gegeben, damit ich diese Zeiten, diesen Schrecken, vergessen kann. Oft saßen wir zusammen am alten Küchentisch, die Gute Stube nur für besondere Gelegenheiten war.Heute sitze ich in der Guten Stube, rauche eine Pfeife, denke oft an die Oma, wie sie dagesessen am alten Tisch, die gute Stube doch nur für den besonderen Anlass war, sie einmal sagte und ich erinnere mich sehr genau:

„Es darf nie wieder, nie wieder geschehen!“

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Einen freundschaftlichen Gruß und ich entzünde ein Licht für den Frieden, für den Respekt,
für die Menschlichkeit und für die Liebe

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Sylvia Kling
Gast

Lieber Ede,

geweint habe ich, ja, geweint.

Mehr kann und möchte ich dazu nicht schreiben – es ist alles gesagt.

Diesen Beitrag verlinke ich besonders gern. Jeder, dem ein Herz in der Brust schlägt, sollte weinen.

DANKE

Herzlichst,

Sylvia

Herr R.
Gast
Herr R.

HaliHallo liebe Sylvia,
es ist das Größte Kompliment was ich für diese Zeilen, für diese „Geschichte“, von einer Künstlerin der Worte, jemals mir erhoffen konnte.
Vielen Dank für diesen wundervollen Kommentar, der mich sehr, sehr berührt hat. Auch ich möchte an dieser Stelle nicht weiter dazu schreiben und dein Lob ganz tief in mir einsaugen und für immer im Herzen tragen.
Ich verneige mich und sende dir ganz liebe Grüße aus Olbersdorf/Sachsen, wo jemand vor dem Bildschirm hockt und diese Worte immer und immer wieder ließt.
Vielen Dank
Ede

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[…]  https://herr-r.ede-peter.de/es-darf-nie-wieder-nie-wieder-geschehen-gegen-das-vergessen/ Auch weiterhin können Beiträge eingereicht werden – ich freue mich über Eure Beteiligung! […]

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Herbert König
Gast
Herbert König

Diese Geschichte hat mich sehr berührt, sie erinnert mich an meine Kindheit, es gab zwar keine toten Eltern, aber in jedem Ort Elend Invaliden verschiedener schwere, vie zu wenig zu Essen. Meine Mutter, Tanten und Onkeln waren auf der lebensgefährlichen Flucht. und dann noch Jahre wo der Vater für fast gratis die ganze Woche von früh bis spät schuften durfte um zu mindest der Familie das notwendigste geben zu können. Ja es darf (sollte) nie mehr geschehen. Leider scheint sich die Geschichte immer wieder zu wiederholen. Wir müssen alles tun um total verirrte Menschen die schon wieder Rechtsextremen Elementen nachlaufen… Weiterlesen »

Herr R.
Gast
Herr R.

Zur späten Stunde noch eine schnelle Antwort, schnell nicht deswegen, weil mir nichts zu dieser Stunde einfallen würde, sondern ganz einfach, weil ich den Kommentar ja schon auf Facebook gelesen habe und mich wirklich riesig gefreut habe … Ich habe dort ja auch schon einige Worte geschrieben, aber ich möchte mich doch noch gerne bedanken, für diesen netten und auch (gefühlten) emotionalen Kommentar hier auf meinem Blog. Wie schon richtiger weise angemerkt, ist es wichtig die Texte (also nicht nur meine, sondern generell diese Art von Artikeln/Gedichte usw.) zu teilen – immer wieder. Worte sind eine mächtige Waffe und manch… Weiterlesen »

Auberge Keur Diame
Gast

Hallo Ede einfach nur danke für diese Geschichte. Sie ist sehr traurig und hat mich sehr berührt. Was die Menschen damals im Krieg und kurz danach gelebt haben, ist für mich , das Schweizer-Kind nicht so einfach nachvollziehbar. Aber ich habe meine Mutter, sie ist in Potsdam/Berlin aufgewachsen. Sie hat mir viel vom Krieg erzählt, den sie noch miterlebt hatte. Dann, eines Tages, es war im Jahre 2003, der Beginn des sogenannten Golfkrieges. Am Morgen, nach der ersten Nacht in der die Amerikanischen Bomber unsere Schweiz überflogen, rief mich meine Mutter in Tränen aufgelöst an. Sie sagte mir, es seien… Weiterlesen »

Herr R.
Gast
Herr R.

… ach ja, ich glaube sie (die Geschichte) kommt der Wahrheit ziemlich nahe. Anhand deiner Mutter kann man auch ziemlich deutlich feststellen, was das für traumatische Erlebnisse gewesen sein müssen. Schrecklich. Krieg ist schrecklich. Terror und Gewalt ist schrecklich. Nicht nur du wünscht dir Frieden für die ganze Welt, auch ich und grade jetzt in diesen Zeiten mehr denn je. Aber es wird wohl immer Kriege und Leid geben, solange die Menschheit auf diesem Planeten wandelt. Und es muss aber trotzdem, auch wenn es aussichtslos erscheint, immer wieder angeprangert werden, benannt werden von uns, die dazu in der Lage sind.… Weiterlesen »