Die Zeitspanne unseres Daseins, ist schon verflucht kurz


Die Frau in der Schwesterntracht und das Meer

Die See ist ziemlich rau, er kann es nicht sehen, aber sein Körper geht im Wellenrhythmus auf und ab.
Die große Plastikplane über ihm flattert im Wind und drückt auf sein Gesicht. Nach Atem ringend, unternimmt er immer wieder den Versuch, sich zur Seite zu drehen.
Aber er scheint auch an Armen und Fußgelenken „gefesselt“ zu sein …

Neben ihm kniet eine Frau in Schwesterntracht und unterbindet seine verzweifelten Versuche, sich aus dieser misslichen Lage zu befreien.

Inzwischen patsch nass, die Frau in der Schwesterntracht merkwürdigerweise überhaupt nicht. Völlig erschöpft und am Ende seiner Kräfte, klammert er sich an die schmalen Planken des … ja was eigentlich? … Boot?
Es ist auch ein Vorteil, „gefesselt“ zu sein – außer, die Planken drehen sich mit ihm – oh mein Gott (er mag den Gedanken gar nicht zu Ende denken) … …

Links neben ihm, rechts neben ihm, Wasser, das Meer.
Über ihm eine verfluchte Plastikplane, die ihm immer wieder den Atem nimmt und dann noch diese Frau in Krankenhaus NemoSchwesternkleidung aus den 60ern oder so, mit einem weißen Häubchen und irgend son Logo in der Mitte dieser merkwürdig anmutenden Kopfbedeckung.

Er hört Schritte und sieht Beine vorbei gehen. Die Stimmen, die wohl zu den Beinen gehören, kann er nicht im Wortlaut verstehen. Dafür ist diese Plastikplane einfach zu laut.

Die Frau in der Schwesterntracht,
die neben ihm kniet und immer noch nicht nass ist, hält ihm den Mund zu.
„Psssst … sein sie bloß still !!“
(oder so ähnlich – die Erinnerung ist schon ein wenig verblasst).
Aber warum nur soll er still sein ?
Er will doch hier nur befreit werden aus dieser blöden Situation.

Er hat Angst vor dem Wahnsinn des ertrinkens, Angst vor dem Meer, Angst keine Luft mehr zu bekommen …
Angst zu sterben.

Er will schreien, kann nicht, die Frau in der Schwesterntracht und ohne Gesicht, hält ihm immer noch den Mund zu.
„Pssssst …“
(oder so ähnlich).

Die Beine, in weißen Hosen gekleidet, ordentlich gebügelt und auch nicht nass, sind aus seinem Sichtfeld entschwunden. Da ihm aber die Frau in der Schwesterntracht immer noch den Mund zuhält und er noch die Wortfetzen der Stimmen hört, müssen sie noch da sein. Ganz nah bei ihm.

Er kann nicht schreien, sich nicht befreien und die Plastikplane schlägt mit voller Kraft auf seinen Körper ein. Langsam schwinden die Kräfte, er kann sich kaum noch halten, hat das Gefühl, trotz der Fesseln, ins Wasser zu fallen, nicht sofort – aber gleich!

Er fällt und fällt … …

… alles ist dunkel.

(Keine weiteren Erinnerungen was dann noch geschah.)
[…] er kann es nicht sehen, aber sein Körper geht im Wellenrhythmus auf und ab. Die große Plastikplane über ihm flattert im Wind und drückt auf sein Gesicht. Nach Atem ringend, unternimmt er immer wieder den Versuch sich zur Seite zu drehen. Neben ihm kniet eine Frau in Schwesterntracht […]

Es setzt ein Schweigen ein. Ede kann und will wohl nicht weiter erzählen/schreiben, der Leser wird sich wohl gedulden müssen. (es fühlte sich wie erzählen an, beim schreiben)
Es ist das erste mal, dass er über diesen Traum, der sich so wirklich angefühlt hat und immer wieder geträumt wurde, erzählt/geschrieben hat. Selbst seiner Therapeutin hat er noch nicht von diesen Träumen erzählt, naja, fast nichts.

Langsam verblassen sie auch, diese Träume. Die Zeit, ein wichtiger Faktor bei der Verdrängung von Erlebnissen, hat da schon ein wenig (oder auch mehr) geholfen.

Zeit,
die wahrscheinlich nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden ist.
Aber auch das ist ein Teil des Lebens.

 

Die Zeitspanne unseres Daseins, ist schon verflucht kurz!
Einen freundschaftlichen Gruß

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TanjasBunteWelt
Gast
TanjasBunteWelt

Ein bedeutender Traum der sehr tief geht.
Danke für das Teilen des Traumes
Liebe Grüße Tanja

Herr R.
Gast
Herr R.

Jo, tief ist schon der richtige Ausdruck …
Vielen lieben Dank für deine Worte Tanja.
LG Ede

Anne-Marit
Gast

Mit Träumen habe ich auch meine Erfahrung gemacht. Schon eigenartig, wie sie unser Leben mitbestimmen. Wenn Du magst, könnte ich was erzählen.

Herr R.
Gast

wir können uns gerne einmal bei Gelegenheit austauschen, das würde mich sehr freuen.
Ja, ja … sie beeinflussen unsere Seele gewaltig, wird leider immer wieder unterschätzt und belächelt. Wobei dies hier ein Traum ist, den ich immer wieder und wieder hatte im Koma und danach … heute taucht dieser spezielle Traum nur auf wenn ich mal wirklich absolut gestresst wurde und nicht zur Ruhe komme. Ich hab da noch zwei, die ähnlich gelagert sind und auch mit meiner Koma Zeit zu tun haben.
Vielen Dank für deinen Kommentar liebe Anne
Ede