Die Dummheit wurde zur Epidemie

Jürgen M. BrandtnerEine Lesung– Gegen Das Vergessen –

Jahr für Jahr am 10. Mai jährt sich das Fanal der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten, historisches Leuchtfeuer für unsägliche Menschenverachtung und gnadenlose Zensur.
In seiner Lesung „Die Dummheit wurde zur Epidemie“ stellt  Schauspieler und Autor Jürgen M. Brandtner anhand fiktiver Tagebuchaufzeichnungen eines möglichen Zeitzeugen die Ereignisse vom 30. Januar bis zum 12. Mai 1933 nach.
Neben historischen (Ton-) Dokumenten kommen dabei natürlich die „verbrannten“ Dichter selbst zu Wort: Ernst Toller, Franz Kafka, Erich Mühsam, GertrudKolmar, Stefan Zweig, Klabund, Kurt Tucholsky und etliche andere.

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Es war einmal: ZeitenReise

Diese Zeilen sind entstanden für das Projekt
„Gegen Das Vergessen“ von Sylvia Kling


Es war einmal: ZeitenReise
– Gegen Das Vergessen –

Neulich
sah ich sie marschieren
lang ist es nicht her

Vor einigen Jahren
sah ich sie marschieren
lang ist es nicht her

Zeiten
gleiten an mir vorüber

Meine ZeitenReise
in der Unendlichkeit
meines Seins
nimmt mir den Atem
Tränen
meine Augen verschmier’n

Diese Zeiten
meinen es nicht gut
mit dir

Auch ich leide
auf meiner ZeitenReise
brutale Bilder
musste ich immer wieder sehn
lass es nicht wieder geschehen
damit ich endlich komme zur Ruh‘

Angefeindet und gehasst
geknechtet, gequält
und fast zu Tode gehungert
die Dusche meine Erlösung war

Der Hölle auf Erden
ich entronnen war

Und nun … …

… nun marschieren
die Schergen wieder
altes Gedankengut
mit neuem Gesicht

Auf meiner ZeitenReise
meine Angst

vor dem was kommen mag
kalt
meine Seele zerfrisst

Neulich
sah ich sie marschieren
so lang ist es nicht her!

Vor einigen Jahren
sah ich sie marschieren
so lang ist das
auch nicht her!

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Es war einmal: StiefelSchritt

Diese Zeilen sind entstanden für das Projekt
„Gegen Das Vergessen“ von Sylvia Kling


Es war einmal: StiefelSchritt
– Gegen Das Vergessen –

StiefelSchritt auf Kopfsteinpflaster
marschieren für Volk und Führer
Frauen und Kinder jubeln
mir zu
Hakenkreuz die Fahne schmückt

Feldblumen schmücken
meine WaffenBraut
welken würden sie
wüssten sie
warum ich marschier

Jubel in den Gassen hallt
der Abschied fällt nicht schwer
bin ich doch bald, wieder hier
das Grauen verbirgt sich noch
niemand sieht, das TeufelsGesicht

StiefelSchritt erstirbt vor dem Zug
niemand ahnt es
er ohne Wiederkehr
ich bin bald zurück, sagte ich
und hielt ihre Hand, solang es ging

Nie wieder sollte ich halten
diese Hand
meine lag bleich und faulig
auf dem blutigen Schlachtfeld
dieser sinnlosen Barbarei

Mein StiefelSchritt endet
vor des Teufels
Eingangstür.

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Es war einmal: Tod

Diese Zeilen sind entstanden für das Projekt
„Gegen Das Vergessen“ von Sylvia Kling


Es war einmal: Tod
– Gegen Das Vergessen –

Was hat mich geweckt
ist es die Angst
die in mir ist
die mich innerlich zerfrisst
jede Nacht kehren sie wieder
die Opfer meiner
Mordgelüste
im Traum bin ich
das Opfer
der Tod mich zerfetzt

Die Kameraden schlafen tief
in ihren Decken
das Gewehr umklammert
wie eine Braut
nur der Heinrich
der schaut zum Mond
ist auf seinem Posten
der Schweiß stinkt aus mir
Heinrich mit mir
eine Zigarette raucht

„Morgen machen wir sie nieder“
Heinrich es leise
in Richtung des Dorfes sagt
„Ohne Gegenwehr –
einfach abgeschlachtet
werden sie“
meine ich
zaghaft meine Gegenwehr
„Hab dich nicht so
endlich mal wieder eine Frau“

Mein Blick geht zum Dorf hinüber
das ruhig und schlafend
im Mondlicht steht
ich ahnte böses
mir es jetzt schon graut
niemand wird überleben
den Tod werden wir bringen
erbarmungslos
brennen wir alles nieder
ich der Meuchelmörder

„Kameraden
heute dürfen wir für das
Vaterland
das russische Judenpack verbrennen“
der Leutnant es eindringlich brüllt
ich stürme schreiend in das Dorf
schieße um mich
ein Kind mir in die Augen sah
als ich es niederschoß
dem Wahnsinn so nah

Am Abend
alle um das Lagerfeuer sitzend
ein extra Ration
vom (russischen) Selbstgebrannten
es gab
ein einzelner Schuss
die Siegerlaune verdarb
ich wollte es nie
und doch hab ich es getan
mein letzter Gedanke war:

„Es tut mir alles, so schrecklich leid“

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Es war einmal: Helden

Diese Zeilen sind entstanden für das Projekt
„Gegen Das Vergessen“ von Sylvia Kling


Es war einmal: Helden
– Gegen Das Vergessen –

Wir wollten Helden seinmeine Mutter weinte
ich sei noch so jung
war ihr Abschiedsgruß
Vater gab mir einen
kräftigen Händedruck
drückte mich dann an seine Brust
mach uns keine Schande
mein Sohn
komme wieder heim
bleib nicht im Schützengraben
wir brauchen dich
hier auf unseren Hof

Wir wollten Helden seinder Jubel auf der Straße
der war so groß
fast wie beim Führer Besuch
ach was waren wir stolz anzusehn
stramm marschierten wir
durch das Dorf

die Hilde gab dem Fritz
und mir
zum Abschied noch
einen Kuss
wir sind bald wieder daheim
riefen wir noch
was sollten wir uns täuschen
unter Hildes Tränenfluss

Wir wollten Helden seinin die Hose hab ich mir gemacht
nach meinen ersten Todesschuss
mitten in die Russenbrust
Fritz der immer an meiner Seite war
sehr unerschrocken und tapfer er war
starb mit zerfetzten Bauch
in meinem Arm
viele starben neben mir
ich schrieb schon lange
keine Briefe mehr

Wir wollten Helden seinirgendwann
es musste ja so kommen
der Winter in der russischen Weite
er so erbarmungslos war
mit dem „Eisernen Kreuz“
hat man im Tausch

mir ein Bein genommen
ich sei ein Held
hat der Oberleutnant gesagt
auf Krücken
durfte ich Heim

Wir wollten Helden seinkein Jubel und Posaunen Chor
niemand auf der Dorfstraße war
dunkel
wie Augen gleich
schauten die Fenster
auf den Helden
der aus Russland wiederkam
alleine und ohne Fritz
ich der Heimkehrer
mit einem Bein noch war
die Hilde im Tränenfluss
einst waren wir drei
bis zwei dem Irrsinn
ins Auge sahn

Wir wollten Helden seinMutter weinte
vor lauter Glück
Freude übermannte sie immer wieder
war ich
der einzige Sohn
doch wieder daheim
und am Leben
auch wenn ein Bein mir fehlte
war sie doch wirklich froh
dass ich nicht für Führer und Vaterland
im Schützengraben verfaulte

Wir wollten Helden seinnur einer kam zurück
ein Held zwar
der Oberleutnant es mir sagte
als er mir das Kreuz der Helden
mit traurigen Augen gab

Vater war enttäuscht von mir
auch wenn ich mit Stolz
ihm meine Auszeichnung zeigte
sagte er doch immer wieder
vor sich hin

„was nützt mir der Sohn als Held
kann er mir nicht helfen
auf dem Feld“

Wir wollten doch stolze Helden seineiner verrottet nun in Russlands Erde
der andere kehrte zurück
ein Held zwar
aber es fehlt das eine Bein
der Vater
verflucht den Tag
als sein einziger Sohn
ein Held wollte sein

Nun bin ich ein Held gewordendie Hilde ist beizeiten
durch Fliegerbomben
gestorben
ich trinke Wodka

aus Angst vor den Träumen
jede Nacht wollen sie mich holen
auch der Fritz
der so schändlich ist gestorben
ich vermisse ihn so sehr
ach wäre ich doch
mit ihm zusammen
in Russlands Erde
gemeuchelt worden

… dabei wollten wir zwei
nur Helden fürs Vaterland sein!

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Es war einmal: Menschlichkeit

Diese Zeilen sind entstanden für das Projekt
„Gegen Das Vergessen“ von Sylvia Kling


Es war einmal: Menschlichkeit
– Gegen Das Vergessen –

Überlebt
hab ich den Wahnsinn
des Todes
eine Nummer
tätowiert
mein Zeuge ist

Abertausende sah ich sterben
nicht nur die Duschen ohne Wiederkehr
Durst Hunger Kälte
auch die abgefeuerte Waffe
oft das Verderben bringt

Körper im Schmerz sich winden
unsägliche Seelenpein

Haut an Knochen klebte
im Matsch des Lagers
Skelette durch Fäkalien waten
bleich die Knochen
sich stapeln
im Eingang zur Hölle
sie warten

Der Tod mit seiner schillernden Fratze
mich oft hat angesehen

Aus vielen Ländern kamen wir
der Gevatter uns die
vereinte Sprache
der Toten gelehrt

Meine Frau
meine Kinder
ich sie nie wieder sah
Mut machte ich ihnen noch
ihre Tränen glaubten mir nicht

Zu unserem Herrn hab ich gebetet
immer wieder
mein Bittgesang erklang
beschütze Frau und Kinder
er hat mich wahrscheinlich
nie gehört

Ich weiß bis heute nicht
wie sie starben
der Tod so vielfältig
in Auschwitz
gewesen ist

Heute sitze ich
mit meiner Pfeife
in der guten Stube
denke oft mit Wehmut und auch Trauer
an Frau und Kinder

Bald rauche ich meine letzte Pfeife
verziehen habe ich
nach all den Jahren
doch vergessen kann ich es nicht

Meinen Hass habe ich
beizeiten begraben
der Glaube an die Menschlichkeit
geben mir die Hoffnung und die Liebe
für den Menschen als solches –

der nicht wirklich
nur böse ist.

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Es war einmal: An die Geliebte

Diese Zeilen sind entstanden für das Projekt
„Gegen Das Vergessen“ von Sylvia Kling


Es war einmal: An die Geliebte *
– Gegen Das Vergessen –

Geliebt
habe ich sie,
lange ist es her,
das Herz wird schwer –
denke ich an Erika

Heimlich war sie,
die Liebe zu ihr
Ende der dreißiger Jahre,
gequälte Zeit,
ihre Liebe zu mir

Einen Stern
musste sie tragen,
liebte mich,
den Arier so sehr
in all diesen lastigen
Tagen

Oft spielten wir
verstecken,
wenn der StiefelSchritt
polterte auf Dielenboden,
unheilvoll das Drohen
der braunen Recken

Angst hatten wir so sehr,
eine Hochzeit vor Gottes Altar,
der unser Zeuge
der ewigen Liebe war,
das (Zeiten)schwere LiebesPaar

Ein letzter TränenBlick,
sich die Türe
des Viehwaggons schloss,
wir sehen uns wieder,
Gott uns doch seinen Segen gab,
jede unsrer Tränen büßend floss

Lang meine Suche war
in den Jahren,
Trümmer und Aufbau,
Zeit so endlos
in der Asche der Erinnerung,
dem TrauerBewahren

Die Liebe ist geblieben,
der TränenBlick
und gesenkte Lider,
irgendwann, liebste Erika,
sehen wir uns wieder

Warum hat das Leben
eine Ewigkeit mich gequält,
mein LebensHauch
endlich mir entweicht,
jede Stunde doppelt zählt

Wir sehen uns wieder
in der Unendlichkeit,
unsere Liebe ist
ewig da,
nichts uns wirklich
trennen kann –

Meine liebste Erika.

* Mit der in die Tiefe gehenden Unterstützung, dem WorteReichtum und auch dem kritischen Blick für das Wesentliche, ist diese neue Version meines Gedichtes „Es war einmal: Liebe“ , entstanden. Ich bedanke ich mich an dieser Stelle bei einer wirklich tollen, sehr sympathischen und bescheidenen Autorin (auch für das eigene Wirken und Schaffen) – Vielen Dank Sylvia Kling (Autorin) 

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Es war einmal: Liebe

Diese Zeilen sind entstanden für das Projekt
„Gegen Das Vergessen“ von Sylvia Kling


Es war einmal: Liebe
– Gegen Das Vergessen –

Geliebt
habe ich sie
lange ist es her

Das Herz wird mir schwer
denke ich an Erika
heimlich war sie
die Liebe zu ihr

(Ende der dreißiger Jahre)

Gequälte Zeit
ihre Liebe zu mir
einen Stern
musste sie tragen
liebte mich
den Arier
so sehr

Oft spielten wir
Verstecken
wenn der StiefelSchritt
unheilvoll
polterte auf Dielenboden

Angst hatten wir so sehr

Halbe Kinder wir noch waren
eine Hochzeit vor Gott

der unser Zeuge
der ewigen Liebe und Treue war

Schwer und endgültig
ein letzter TränenBlick
sich die Türe
des Viehwaggons schloss

Wir sehen uns wieder
Gott uns doch seinen Segen gab

Lang meine Suche war
in den Jahren
Trümmer und Aufbau
Zeit so endlos
in der Asche der Erinnerung

Die Liebe ist geblieben
ich nie den TränenBlick vergaß

Wir sehen uns wieder
liebste Erika

Warum hat das Leben
eine Ewigkeit mich gequält
mein LebensHauch
endlich mir entweicht

Wir sehen uns wieder
in der Unendlichkeit
unserer Liebe

Meine liebste Erika.

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Es war einmal: Abschied

Diese Zeilen sind entstanden für das Projekt
„Gegen Das Vergessen“ von Sylvia Kling


Es war einmal: Abschied
– Gegen Das Vergessen –

Dunkle Schatten
Im Feuerschein
Leblose Augen
Spiegeln sich
Im Schrei
Des Schmerzes
Dunkelrot
Der Lebenssaft
Auf grauen Stein
Da wo gestanden
Das HeimatHaus
Liegt nun im Blut
Mein MenschenGebein
Selbst ein Engel
Still und schmerzvoll weint
Dunkle Schatten
Im Rauch der Hölle
Feuer verbrennt
Mein geliebtes Sein
Lebenshauch atmet aus
Der Blutrausch
Im BombenSchrei
Verhallt gehört
Ein letztes mal
Schmerzvoll
Tote Augen
Im Schatten
Der FeuerAsche
Im Blut ertränkt
Lebewohl
Du mein ErdenSein.

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Es darf nie wieder passieren

Diese Zeilen sind entstanden für das Projekt
„Gegen Das Vergessen“ von Sylvia Kling


Es darf nie wieder passieren
– Gegen Das Vergessen –

Es erschlägt mich
Wut und Hass
Intoleranz und Respektlosigkeit
Rassismus und Antisemitismus
Homophobie und Sexismus
Diskriminierung und Unterdrückung

(Krieg und Tod)

Es schreit mich an
Der Pöbel, der Mob
Ist auf den Straßen
Selbst der sogenannte gute Bürger
Zeigt das Gesicht der Feindlichkeit
Zurück zur deutschen Ursprünglichkeit

(Wahrheit und Lüge)

Es weckt böse Träume
Erinnerungen an eine Schuld
Die ich nicht teilen kann
Aber dennoch ist sie Teil von mir
Denn ich bin hier geboren
Lebe im LiebVaterland

(Geschichte und Visionen)

Es darf nie wieder passieren
Niemand darf sich verlieren
In der Vergangenheit der Grausamkeiten
Niemand sollte diese Geister wecken
Lasst das Geschrei
StiefelSchritt auf Asphalt tönt.

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